Passivrauchen
Die Geschichte des Passivrauchens ist eine Geschichte voller Widersprüche. Einige bedeutende Publikationen werden immer wieder als Hauptargument dafür angesehen, daß die Risiken des Passivrauchens bereits zweifelsfrei bewiesen sind. Doch auf den zweiten Blick entpuppen sich die meisten als echte Kuckuckseier.
Passivrauchen ist böse – spätestens seit dem im Dezember 1992 von der US-amerikanischen Environmental Protection Agency veröffentlichen Bericht Respiratory health effects of passive smoking: lung cancer and other disorders wird dieses Mantra in die Welt getragen. Selbst in Deutschland wurde dieser EPA-Report zitiert, als es um die bundesdeutsche Gefahreneinstufung von Passivrauchen am Arbeitsplatz ging. Der Haken dabei: Bei der Entstehung und den Schlußfolgerungen dieses Berichts haben sich Fragwürdigkeiten in einer Größenordnung abgespielt, daß sich kaum noch von seriösen wissenschaftlichen Erkenntnissen sprechen läßt:
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Es wurden Studien-"Ergebnisse" veröffentlicht, noch bevor die eigentlichen Studien abgeschlossen waren
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Die Fehlertoleranz der von der EPA durchgeführten Meta-Analyse wurde auf ein Konfidenzintervall von 90% verdoppelt, um das gewünschte Ergebnis zu erzielen
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Wichtige Studien zur Verbindung von Passivrauchen und Lungenkrebs wurden von dieser Meta-Analyse ausgeschlossen. Hätte man sie berücksichtigt, wäre selbst mit der erhöhten Fehlertoleranz das Ergebnis der Analyse statistisch nicht signifikant gewesen
Die Fehlerhaftigkeit der wissenschaftlichen Beweisführung der EPA wurde 1995 in einem äußerst kritischen Bericht des amerikanischen Congressional Report Service (CRS) angemahnt. Der CRS ist ein Forschungsdienst, der ausschließlich für den amerikanischen Kongreß arbeitet. Aber noch schlimmer kam es 1998: Ein Bundesrichter erklärte weite Teile des EPA-Reports wegen der offensichtlichen Mängel für ungültig. Als Grund für seine Entscheidung nannte er unter anderem:
"In diesem Fall bekannte sich die EPA öffentlich zu einer Schlußfolgerung, noch bevor die Forschung angefangen hatte; [...] paßte etablierte Vorgehensweisen und wissenschaftliche Normen an, um die öffentliche Schlußfolgerung der Agentur zu unterstützen, und nutzte aggressiv die ihr gesetzlich verliehene Autorität aus, um Befunde zu verbreiten und so eine de facto-Regulierung mit dem Ziel zu etablieren, die Kläger und ihre Produkte einzuschränken und die öffentliche Meinung zu beeinflussen. Bei der Durchführung der ETS-Risikobewertung ließ [die EPA] Informationen außer Acht und zog Schlußfolgerungen aus selektiven Informationen; sie wich von ihren Richtlinien zur Risikobewertung ab; versagte darin, wichtige Befunde und Argumente weiterzugeben; und gab auf bedeutende Fragen keine Antwort. Die Vorgehensweise der EPA hinterließ substantielle Löcher in den administrativen Aufzeichnungen. Auf diese Art wurden begrenzte Beweise produziert, während behauptet wurde, das Gewicht der Forschungsergebnisse der Agentur hätte demonstriert, daß ETS Krebs verursache. Das Sammeln aller relevanter Informationen, die Forschungsarbeit und die Verbreitung der Erkenntnisse waren dem Ziel der EPA untergeordnet, den Beweis zu erbringen, daß ETS ein Gruppe-A-Karzinogen ist."
Die durch das Gerichtsurteil nochmals hervorgehobenen Schwächen des EPA-Reports hatten jedoch keinen Einfluß auf die weitere Entwicklung. Selbst das WHO-Kollaborationszentrum für Tabakkontrolle verweist weiterhin auf die Ergebnisse dieses längst widerlegten Versuchs, Passivrauchen als Risiko für Nichtraucher einzustufen.
Hitt, David: The EPA Report
Environmental Protection Ageny (Hrsg.): Respiratory health effects of passive smoking: lung cancer and other disorders
Congressional Research Service (Hrsg.): Tobacco Smoke and Lung Cancer Risk
"Memorandum Opinion" des US-Bundesrichters Osteen, der mehrere Kapitel des EPA-Reports für ungültig erklären ließ
Nach jahrelangem Rätselraten und den wissenschaftlich fragwürdigen Schlußfolgerungen des EPA-Reports wollte es die Weltgesundheitsorganisation WHO genau wissen und den endgültigen Beweis für die Schädlichkeit des Passivrauchens präsentieren. In Europa wurde eine großangelegte Studie geplant und durchgeführt. Doch statt eines eindeutigen Beweises führten die Ergebnisse aus Sicht der Tabakkontroll-Gemeinde zu einem Debakel: Keines der Ergebnisse war statistisch signifikant – mit Ausnahme des verringerten (!) Risikos passivrauchender Kinder, später an Lungenkrebs zu erkranken. Was folgte, war eine Verzögerung der Veröffentlichung der Studienergebnisse und eine erschreckende Posse rund um die Interpretation der Ergebnisse. So gab die WHO eine Pressemitteilung mit dem Titel "Passive Smoking Does Cause Lung Cancer, Do Not Let Them Fool You" heraus, nachdem eine britische Zeitung von den Ergebnissen Wind bekommen hatte. Doch selbst die Pressemitteilung kam trotz des martialischen Titels nicht um das Eingeständnis herum, daß das Resultat der Studie statistisch nicht signifikant war.
Hitt, Dave: The WHO study
FORCES International zur WHO-Studie
WHO (Hrsg.): Passive Smoking Does Cause Lung Cancer, Do Not Let Them Fool You
Boffetta, Paolo et al.: Multicenter Case-Control study of Exposure to Environmental Tobacco Smoke and Lung Cancer in Europe
Erstaunliches ereignete sich erneut, als das British Medical Journal 2003 eine Studie veröffentlichte, die die im Rahmen der amerikanischen Cancer Prevention Study I (CPS-I) erhobenen Datensätze über einen Zeitraum von 39 Jahren analysierte. Die Autoren Enstrom und Kabat kamen zu dem Schluß, daß die Assoziation zwischen Passivrauchen und dem Entstehen von Lungenkrebs oder Herzkrankheiten weit geringer als allgemein angenommen sein könnte.
Damit jedoch stießen die beiden Wissenschaftler in ein Wespennest. Zuschriften per eMail an das British Medical Journal überschlugen sich in Leidenschaft und Kritik, die sich allerdings nur in 3 Prozent der Mails auf Daten aus der Studie bezogen. Weit heftiger wurde kritisiert, daß Teile der Finanzierung von der Tabakindustrie stammte, was von den Autoren jedoch klar ausgesprochen worden war. Es ist natürlich einfacher, ein wissenschaftliches Ergebnis mit dem bloßen Hinweis auf einen der Geldgeber für ungültig zu erklären, als sich inhaltlich damit auseinanderzusetzen. Allerdings stellt sich auf diese Weise zwangsläufig die Frage, inwieweit es hier noch um seriöse Wissenschaft geht.
Enstrom, James E./Geoffrey C. Kabat: Environmental tobacco smoke and tobacco related mortality in a prospective study of Californians, 1960 – 1998
bmj.com Rapid Responses
Fumento, Michael: Second-hand Smoke is Harmful to Science
Tonks, Alison: Summary of Rapid Responses
Smith, Richard: Passive smoking. Comment from the editor
Ungar, Sheldon/Dennis Bray: Silencing science: partisanship and the career of a publication disputing the dangers of secondhand smoke
Auch die International Agency for Research on Cancer (IARC) veröffentlichte eine Monographie, in der Passivrauchen als krebserregend eingestuft wurde. An dieser Stelle verweisen wir auf den IARC-Bericht ebenso wie auf eine eingehende Untersuchung seiner Schwächen.
IARC (Hrsg.): Tobacco Smoke and Involuntary Smoking
Lee, P.N.: IARC Monographs on the evaluation of carcinogenic risks to humans Volume 83 (2004). A commentary on the section of the monograph related to involuntery smoking (pdf; 393 KB) 
_COPYRIGHT Netzwerk Rauchen - Forces Germany e.V. _COPYRIGHT2
_PUBLISHEDON: 2005-04-26 (4398 mal gelesen)
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