Passivrauchen
In den Medien scheint sich seit einigen Jahren ein regelrechter Wettbewerb zur Raucher-Horrormeldung der Woche abzuspielen. Um diese richtig einzuschätzen, müssen wir an die Quelle gehen und einen Blick auf die wissenschaftlichen Studien werfen, die als Grundlage für die Schockmeldungen dienen. Was ist dran, an den Risiken des Passivrauchens? Jedenfalls nicht so viel, wie immer behauptet wird.
Einen weiteren Schritt geht die Tabakkontrolle mit den vermeintlichen Gefahren durch das Passivrauchen. Die Raucher würden nicht nur sich selbst schädigen, sondern auch arglose Nichtraucher in ihrer Umgebung. Gerne wird kolportiert, das sei "zweifelsfrei erwiesen". Dies führt jedoch an der Realität vorbei, denn, wie die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen schreibt, ist beispielsweise für Lungenkrebs "der wissenschaftliche Nachweis eines Kausalzusammenhangs [...] bisher nur für das aktive Rauchen erbracht worden." (Tabakabhängigkeit. Suchtmedizinische Reihe Band 2. Köln, 2003. S. 29).
Unter den Gesichtspunkten der PR jedoch hat das Passivrauchen einen besonderen Stellenwert: Durch das beständige Wiederholen von unbelegten – und angesichts der Geringfügigkeit des zu messendes Risikos wahrscheinlich auch in absehbarer Zeit unbelegbaren – Behauptungen, nach denen Raucher auch Menschen in ihrer Umgebung gefährden würden, wird ein raucherfeindliches Klima geschaffen. Ein Klima, das einen sozialen Druck erzeugt, der wiederum Raucher dazu bringen soll, doch endlich ihre letzte Zigarette auszudrücken. Auch dies ist eine Maßnahme mit fragwürdiger moralischer Rechtfertigung.
Einen wunderbaren Überblick über die Problemfelder im Umgang mit den lautstark propagierten "Gefahren" des Passivrauchens hat die britische Raucher-Vereinigung FOREST veröffentlicht:
FOREST (Hrsg.): Prejudice & Propaganda. The Truth About Passive Smoking (pdf; 314 KB) 
Auch die britische Tobacco Manufacturers' Association hat anläßlich der schottischen Pläne zu einem Rauchverbot am Arbeitsplatz, in Bars und Restaurants die bisherigen Forschungsergebnisse zum Passivrauchen zusammengefaßt:
Tobacco Manufacturers' Association (Hrsg.): Smoking in Public Places (pdf; 627 KB) 
Die epidemiologischen Untersuchungen, die einen Zusammenhang von Passivrauchen und dem Auftreten verschiedener Krankheiten herzustellen versuchen, können im besten Fall eine Assoziation im Stile von "Passivraucher haben ein höheres Risiko, an X zu erkranken" feststellen. Was sie nicht leisten können, ist das Beweisen eines Kausalzusammenhangs, also ob das Passivrauchen oder ganz andere Faktoren tatsächlich für dieses höhere Risiko verantwortlich sind. Darüber hinaus sind die meisten epidemiologischen Studien zum Thema Passivrauchen nicht einmal statistisch signifikant oder zeigen ein relatives Risiko, das nach herkömmlichen wissenschaftlichen Standards viel zu gering ist, um tatsächlich eine Aussage zuzulassen.
Whelan, Elizabeth M.: Warning: Overstating the Case Against Secondhand Smoke is Unnecessary - and Harmful to Public Health Policy 
FORCES Germany News: Passivrauchen
Epidemiologische Grundlagen:
Hitt, Dave: Epidemiology 101 
Hitt, Dave: Epidemiology 102 
Stewart, Linda: Epidemiology 101 
Milloy, Steve: Science Without Sense. The Risky Business of Public Health Research 
Atteslander, Peter: Prävention als Risiko? Chancen und Grenzen der modernen Epidemiologie als Grundlage für gesundheitspolitische Maßnahmen
Murray, Iain: Epidemiology Beyond Its Limits 
Risikofaktoren im Vergleich
Neben der Epidemiologie kann auch die Toxikologie Hinweise auf mögliche Gefährdungen durch Passivrauchen geben. Vom toxikologischen Standpunkt aus geht es um die Inhaltsstoffe des Zigarettenrauchs und um die Frage, ob deren Konzentration für Erkrankungen ausreicht. Doch auch hier gibt es Schwierigkeiten: Passivraucher nehmen im Vergleich zu aktiven Rauchern nur einen Bruchteil der Rauchpartikel auf – während die durch das Rauchen freigesetzten potentiell gefährlichen Substanzen entweder genauso stark oder in noch weit höherem Maße durch Aktivitäten wie beispielsweise Kochen und Grillen verursacht werden.
Nilsson, Robert: Die Toxikologie des "Passivrauchens" (ETS)
BBC (Hrsg.): Barbecue cancer warning 
Gerne wird von den Advokaten der Tabakkontrolle betont, daß es für die – wir erinnern uns: nicht belegbaren – Risiken des Passivrauchens keine sicheren Schwellenwerte gäbe, unterhalb derer keine Gefahr bestünde. Mit diesem Argument sollen jegliche Kompromißlösungen unterhalb eines völligen Rauchverbots in geschlossenen Räumen von vorneherein ausgeschlossen werden. Erstaunlicherweise jedoch hielt es die sogar die US-amerikanische Occupational Safety and Health Administration (OSHA) – eine Behörde, die für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz verantwortlich ist - trotz jahrelanger Anhörungen und Forschungen zu diesem Thema nicht für nötig, das Rauchen am Arbeitsplatz bundesweit zu verbieten. Wenn in den USA das Rauchen am Arbeitsplatz verboten ist, geschieht dies vielmehr auf Ebene der Bundesstaaten, in einzelnen Landkreisen oder durch die betroffenen Firmen selbst.
N.Y.C. Clash (Hrsg.): The Air, According To OSHA 
So lange es also keine Grenzwerte dafür gibt, wieviel Tabakrauch in der Raumluft akzeptabel ist, schauen wir uns doch einfach einmal die vielen chemischen Komponenten an, die sich im Tabakrauch befinden. Denn für viele davon gibt es in der Tat bereits Grenzwerte für maximale Arbeitsplatzkonzentrationen, sowohl in den USA als auch in Deutschland. Und um diese Grenzwerte zu erreichen, müßten beispielsweise in einem 100 Quadratmeter großen nicht belüfteten Raum über 1000 Zigaretten geraucht werden – teilweise sind sogar über 100.000 Zigaretten nötig, um an die gesetzlichen Maximalwerte heranzukommen.
N.Y.C. Clash (Hrsg.): "The Dose Makes The Poison" 
Werfen wir nun einen Blick auf die einzelnen Krankheiten, die vermeintlich durch Passivrauchen verursacht werden sollen:
Passivrauchen und Lungenkrebs:
- Risiko für eine/n Nichtraucher/in mit rauchendem/r Partner/in, an Lungenkrebs zu erkranken: Von 80 veröffentlichten Studien lieferten 67 (oder 83,8 %) statistisch nicht signifikante Ergebnisse (FOREST: Prejudice & Propaganda, S. 40)
- Risiko für eine/n Nichtraucher/in, durch Passivrauchen am Arbeitsplatz an Lungenkrebs zu erkranken: Von 31 veröffentlichten Studien zeigten 18 (oder 58%) eine statistisch nicht signifikante Risikoerhöhung, 8 (oder 22,7%) sogar eine statistisch nicht signifikante Risikoverminderung! (FOREST: Prejudice & Propaganda, S. 40)
- Risiko für eine/n Nichtraucher/in, durch Passivrauchen in der Kindheit an Lungenkrebs zu erkranken: Von 36 Studien lieferten 30 (oder 83,4%) statistisch nicht signifikante Ergebnisse und eine Studie (oder 2,7%) zeigte sogar eine statistisch signifikante Risikoverminderung! (FOREST: Prejudice & Propaganda, S.40)
Von klaren Ergebnissen sind wir in allen Fällen weit entfernt.
Überla, Karl: Verursacht Passivrauchen (ETS) Lungenkrebs?
Lee, P.N.: Epidemiological Evidence on Environmental Tobacco Smoke And Lung Cancer (pdf; 232 KB) 
Lee, P.N.: ETS And Lung Cancer Meta-Analyses (pdf; 84 KB) 
FORCES International (Hrsg.): ...and they call this science! 
Passivrauchen und Herzkrankheiten:
- Von 18 Untersuchungen des Zusammenhangs zwischen Passivrauchen am Arbeitsplatz und dem Entstehen von Herzkrankheiten konnte nur eine einzige Studie ein statistisch signifikantes Ergebnis hervorbringen. (Lee, P.N.: Epidemiological Evidence on Environmental Tobacco Smoke And Heart Disease, S. 1)
- 30 von 43 veröffentlichten Schätzungen zum Einfluß des Rauchverhaltens des Partners auf das Risiko, eine Herzkrankheit zu entwickeln, lieferten statistisch nicht signifikante Ergebnisse. (Lee, P.N.: Epidemiological Evidence on Environmental Tobacco Smoke And Heart Disease, S. 1)
Lee, P.N.: Epidemiological Evidence on Environmental Tobacco Smoke And Heart Disease (pdf; 167 KB) 
Lee, P.N.: ETS And Heart Disease Meta-Analyses (pdf; 87 KB) 
FORCES International (Hrsg.): ...and they call this science! 
Weitere Krebsarten:
Lee, P.N.: Epidemiological Evidence on Environmental Tobacco Smoke And Cancers Other Than The Lung (pdf; 98 KB) 
In keinem der genannten Fälle reichen die bisherigen Erkenntnisse als sichere Grundlage aus, um Rauchverbote aus gesundheitlichen Erwägungen anzuordnen. Neben Krebs und Herzkrankheiten gibt es viele weitere gesundheitliche Beeinträchtigungen, bei denen eine Beziehung zu Passivrauchen hergestellt werden sollte. Nach und nach werden wir diese Seite ergänzen und weitere Informationen bereitstellen. In der Zwischenzeit ist das Online-Archiv von Forces International eine wertvolle Ressource, was wissenschaftliche Erkenntnisse rund ums Passivrauchen betrifft:
FORCES International (Hrsg.): Passive Smoke 
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