An kaum einem anderen Ort halten sich Menschen so lange auf wie an ihrem Arbeitsplatz. Daher ist es besonders wichtig, daß sie dort ein möglichst angenehmes Umfeld vorfinden. Für die einen bedeutet dies "rauchfreie" Luft, die anderen können sich ein entspanntes Arbeiten nicht ohne Aschenbecher auf dem Schreibtisch vorstellen. Es gibt viele Arbeitnehmer mit vielen unterschiedlichen Bedürfnissen – ebenso wie jeder Arbeitsplatz und jede Fabrik, jedes Bürogebäude andere Voraussetzungen bietet, den Wünschen der Arbeitnehmer entgegenzukommen.
Seit 2002 gilt eine gesetzliche Regelung zum Schutz der Nichtraucher am Arbeitsplatz, was letztlich bedeutet: Im Konfliktfall hat der Nichtraucher Vorrang. Passivrauchen bedeutet keine gesundheitliche Gefahr, aber selbst aus simpler Rücksichtnahme scheint dies ein praktikabler Weg zu sein. Wichtig ist nur, daß der Bogen nicht überspannt wird. Oft genug reicht schon eine einfache räumliche Trennung in Raucher- und Nichtraucherbüros aus, während ein völliges Rauchverbot im gesamten Gebäude kaum eine Maßnahme ist, die als nachvollziehbarer Kompromiß angesehen werden kann. Doch damit nicht genug: Was ursprünglich eine simple Frage unterschiedlicher Geschmäcker war, entwickelt sich zu einer handfesten Auseinandersetzung darum, ob Raucher in der Belegschaft überhaupt noch "geduldet" werden sollten – völlig unabhängig davon, ob sie ihrem "Laster" überhaupt während der Arbeitszeit frönen.
Werfen wir einen Blick in die USA: Dort hat das Unternehmen Weyco Schlagzeilen gemacht, das sämtliche Raucher in der Belegschaft entweder zu einem Leben als Nichtraucher bekehren oder eben gleich feuern möchte – kontrolliert durch stichprobenartige Urintests. Einige amerikanische Bundesstaaten haben bereits Gesetze, die die Benachteiligung von Rauchern am Arbeitsplatz untersagen, in anderen kann ganz nach Belieben diskriminiert werden.
FAZ Net (Hrsg.): Rauchverbot nach Feierabend
Blick (Hrsg.): Raucher werden gefeuert
Spätestens seit der öffentlichen Debatte, ob Raucherpausen vom Gehalt abgezogen werden sollen, dürfte jedem klargeworden sein, daß sich der Arbeitsmarkt für Raucher sogar in Deutschland in ein ungemütliches Pflaster verwandelt. In einer Zeit, in der die Angst um eigenen Arbeitsplatz wächst und jeder einzelne darauf bedacht sein muß, seine eigene Stelle zu behalten oder eine neue Stelle zu finden, werden harte Bandagen angelegt.
Süddeutsche Zeitung (Hrsg.): Reicht eine Zigarette als Kündigungsgrund?
Auch die Nichtraucherinitiative Deutschland scheint Gefallen am institutionalisierten Mobbing gefunden zu haben. Unverhüllt erhalten Arbeitgeber die Empfehlung, doch einfach nur noch Nichtraucher – oder im Vereinsjargon: "Normalatmer" – einzustellen. Als Begründung werden unter anderem die höheren Kosten genannt, die Raucher vermeintlich verursachen. Nun mag man sich durchaus fragen, welche moralische Rechtfertigung es dafür geben kann, einzelne Bevölkerungsgruppen herauszupicken und ihnen letztlich sogar mit dem Ende ihrer beruflichen Zukunft zu drohen – ausgerechnet in einer Zeit, in der die Arbeitslosenzahlen Rekordwerte erreichen. Man mag sich fragen, wie dies wohl zu dem geplanten Anti-Diskriminierungs-Gesetz paßt – und man kann Überlegungen anstellen, wie dieser Trend wohl weitergeht. Vielleicht gehört demnächst sogar eine Waage zur Grundausstattung bei Bewerbungsgesprächen, ist doch auch Fettleibigkeit ein echter Risikofaktor, was gesundheitliche Kosten und Fehlzeiten angeht:
Der Spiegel (Hrsg.): Werdet dünner – oder gefeuert
FORCES Germany News: Rauchen und Beruf
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